| |

 

Manchmal sitzt sie dir zu Füßen und sieht dich so sanft und zärtlich an, dass die Tiefe ihres Blickes dich betroffen macht. Wer mag glauben, dass hinter diesen leuchtenden Augen keine Seele sei?

Théophile Gautier

 

 

 

  

 Wenn das geliebte Tier stirbt

Herzlich Willkommen auf seelenkatze.de - schön, dass Sie hier sind, auch wenn der Anlass Ihres Besuchs vielleicht ein trauriger ist.

Diese Seiten sind meiner Kartäuserkatze Daisy gewidmet, die im September 2011 starb. Sie wurde 12 Jahre alt und ihr Tod kam für mich nicht unerwartet, da sie schon längere Zeit krank war. Dadurch gab sie mir die Chance, sie auf ihrem letzten Weg zu begleiten, wofür ich sehr dankbar bin. Die Vorbereitung auf ihr Sterben war für mich eine sehr intensive Zeit, voll mit unendlich reichen Momenten.

Aus dieser Erfahrung heraus möchte ich Ihnen gern einige Gedanken weitergeben, die Ihnen möglicherweise in der schwierigen Zeit der Ungewissheit und Unsicherheit helfen, wenn Ihre Katze (oder auch ein anderes geliebtes Tier) sich auf die Reise macht, die wir alle irgendwann antreten werden.

Durch Bücher, mit denen ich mich intensiv auf das Sterben meiner Katze vorbereitet hatte, konnte ich noch besser verstehen, was ich schon immer intuitiv geahnt hatte: dass Sterben ein natürlicher Prozess ist, der ähnlich einer Geburt in wechselnden Phasen von Anstrengung und Entspannung abläuft. Das hat mir sehr geholfen, die Ruhe zu bewahren, als es bei Daisy soweit war. Aber so, wie sich Geburten unterscheiden in ihrer Dauer und Intensität, tun das auch Sterbeprozesse. Jedes Tier stirbt so individuell, wie es gelebt hat. Machen Sie sich bitte keine übermäßigen Vorwürfe, falls Sie nicht dabei sein konnten, als Ihr geliebtes Tier gehen musste, vielleicht  durch einen plötzlichen Unfall oder auch, weil Ihre Katze lieber allein "losgegangen" ist und nicht auf Sie warten wollte oder konnte. Wir wissen letztlich nicht genau, warum die Dinge so geschehen, wie sie geschehen. Wenn Sie aber Ihrem Tier vertrauen, werden Sie seinen Weg akzeptieren können, auch wenn Sie ihn nicht gleich verstehen.

Ich glaube, dass uns unsere Tiere Lehrer im Leben und Sterben sind. Aber natürlich ist Sterben nicht nur ein spiritueller Prozess, sondern ganz konkret körperlich erfahrbar und durchaus nicht unbedingt leicht, und es ist gut, dass es auch die Möglichkeit der Sterbehilfe durch den Tierarzt gibt. Oft geht es nicht anders und Ihr Tier wird Ihnen klar zu verstehen geben, ob es die letzte Reise selbst schafft oder nicht. Genau so, wie es nicht nur natürliche Geburten gibt, die ohne Arzt gelingen, ist es am anderen Ende des Lebens eben auch. Wichtig dabei ist nur, nicht die eigene Angst und Unsicherheit vor dem Tod auf Ihre Katze zu projizieren, sondern sie so objektiv wie möglich zu betrachten, auch wenn das schwerfällt. Nur Sie haben mit ihr Ihr Leben verbracht, Sie wissen, wie sich Freude bei ihr äußert und wie sie mit Schmerzen umgeht, ob sie sie zeigt oder still leidet. Solche Details kennen nur Sie von Ihrer Katze, während ein kurzzeitiger Beobachter von außen nur die Krankheitssymptome sieht. Es ist am Ende ein tägliches Abwägen, ob das geliebte Tier noch will und kann oder nicht. Hier hilft nur bedingungslose Ehrlichkeit sich selbst gegenüber.

Nachdem Ihr Tier gestorben ist, können nur Sie allein wissen, was Sie brauchen. Wahrscheinlich werden Sie auch Schuldgefühle erleben, das ist normal und lässt sich nicht vermeiden. Auch deshalb möchte ich Ihnen eines besonders ans Herz legen: Rechtfertigen Sie sich niemals für Ihre Trauer um Ihr Tier und wählen Sie sehr gut aus, wem Sie so vertrauen, dass Sie davon erzählen können. Vielleicht sind Sie verwundert, wie tief diese Erfahrung Ihr Leben beeinflusst und glauben, dass das nicht normal wäre. Normal ist der Tod eines geliebten Wesens - ob Mensch oder Tier - nie, auch wenn er zum Leben dazugehört. Er ist immer eine existenzielle Grenzerfahrung und nur Menschen, die bereits Ähnliches erlebt haben, werden Sie verstehen können. Viele Menschen haben noch nie erfahren, wie sehr man ein Tier lieben kann und wissen nicht, dass man um es trauern kann wie um einen geliebten Menschen. Entsprechend verständnislos sind dann deren Reaktionen und der Satz "Es war doch nur ein Tier..." steht dann schnell im Raum. Für mich ist diese menschliche Fähigkeit, über Artgrenzen hinweg lieben zu können, dagegen eine der schönsten, und ich wünsche jedem, diese Erfahrung machen zu dürfen.

Mehr zu den Themen "Trauern um ein Tier" und "Tierliebe", wie ich sie sehe, erfahren Sie in meinem Buch   Seelenkatze: Über Tierliebe und Abschied. ( Hier finden Sie eine kurze Leseprobe.) Im 1. Kapitel, "Daisy's Geschichte", beschreibe ich die letzten Tage mit meiner Katze, ihr Sterben und wie ich damit umgegangen bin. Es würde mich sehr freuen, wenn Sie aus meinem Buch etwas für sich mitnehmen können, das sie auf Ihrem Weg tröstet und bestärkt. Herzlichen Dank für Ihr Interesse.

Ihnen und Ihren Tieren wünsche ich noch viele liebevolle Stunden. Denn das ist alles, was am Ende zählt: Nicht die Kratzer am Sofa, nicht die Flecke im Teppich, sondern die Zeit, die wir miteinander verbringen durften und die Hoffnung, dass unser geliebter Freund "drüben" bereits freudig erwartet wird.

Wenn Sie mir Ihre Erfahrungen schildern möchten, können Sie mir gern schreiben an: hartwig(at)seelenkatze.de

Alles Gute für Sie!

Ihre

Susanne Hartwig